Weniger ist mehr.

Nach meinem legendären Tempo-80-Selbstversuch auf der Autobahn habe ich ein wenig nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn man in allen Lebensbereichen nicht immer mit vollem, verschwenderischem Einsatz der zur Verfügung stehenden Kraft arbeiten würde sondern die Mittel gezielt einsetzt?

Ein wundervoller Gedanke, wie ich finde. Ein gezielter Einsatz setzt voraus, dass man über die Sache nachdenkt, pro und contra gegeneinander abwägt und dann die Kraft auf das wesentliche lenkt. (Dieser Satz hört sich übrigens auch fantastisch an, wenn man ihn auf einer Party nach dem 10. Cocktail in die Runde schmeißt.)

Brauche ich mehrere Kameras, wenn ich doch nur immer eine einzige benutze?
Brauche ich 10 Cocktails, wenn ich weiß, dass ich schon nach einem einzigen so schicker bin, dass ich nicht mehr weiß, was ich eigentlich rede?

Warum brauche ich ein Navigationsgerät im Auto, wenn die längste Reise im Jahr zur Schwiegermutter ins Sauerland führt?
Welchen Sinn macht (für mich persönlich) hochpreisige und alles könnende Software, wenn ich doch nur einen minimal winzigen Bruchteil der Funktionen davon nutze?
Würde sich meine Freundin an ihrem Geburtstag auch über einen selbstgeflückten Blumenstrauß freuen statt über ein weiteres unnützes technische Gerät?
Ist ein dreitägiger Zelt-Urlaub 30 Kilometer weit weg an einem Baggersee nicht stressfreier als 2 Wochen Mallorca?
Was nützt mir der 1 Meter Plasma Fernseher, wenn das Programm täglich das selbe langweilige ist?
Die Liste könnte man fortführen. Jeden Tag wird man vor Entscheidungen gestellt, die man möglichst rasch fällen muss. Sollte man sich dann nicht auch einfach mal gegen die „allgemein erwartete Entscheidung“ entscheiden und vielleicht nur das zweitbeste, zweitschnellste, zweitschönste auswählen? Jedes Ding hat bekanntlich mindestens zwei Seiten.
Ein Beispiel möchte ich noch anführen. In Oberhausen gibt es auf der Lothringer Straße den InterShop. Dort bietet das Friedensdorf gegen geringes Geld alle möglichen Dinge von Möbel bis hin zu Büchern an. Das erste Mal war ich vor ca. einem Jahr dort. Es war zugegebenermaßen ein komisches Gefühl, das aber schnell verflog. Die Dinge, die dort ausgestellt sind unterscheiden sich von fabrikneuen Dingen in wichtigen Punkten:
– jedes Ding hat eine Geschichte. Von der Puppe bis hin zum Schulbuch von 1959, jedes Teil könnte aus seiner Geschichte erzählen. Das finde ich gigantisch.
– es ist kostengünstiger als das Äquivalent in neu. Aber es erfüllt mit großer Wahrscheinlichkeit den gleichen Zweck. Oder ändert sich der Zweck eines Stuhls über die Jahre?
– man tut nebenbei Gutes. Der Erlös ist für’s Friedensdorf. Man tut Gutes und braucht sich nicht einmal dafür anstrengen.
Und außerdem: es landet nicht auf dem Müll, sondern wird wiederverwertet. Damit habe ich auch meine umweltpolitische Haltung bestätigt.
Ich werde dort mit Sicherheit kein Navigationsgerät für ein Auto oder einen Plasmafernseher bekommen.
Aber mal ehrlich, … braucht man das???

3 Antworten auf „Weniger ist mehr.“

  1. Nein, das ist kein Abschied vom Weltlichen.
    Im Gegenteil, ich weiß inzwischen hoffentlich, wieviel weltliches Zeug man braucht und wieviel davon überflüssig ist. Ich möchte Ressourcen nutzen und keinen neuen Überfluss produzieren 🙂

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