Verlaufen…

Obwohl es mir ziemlich peinlich ist, das zuzugeben, aber ich habe mich heute zum ersten Mal in meinem Leben in Oberhausen verlaufen. Und das kam so:
Startpunkt meiner heutigen Tour war das Stadion Niederrhein. Da ich natürlich immer dort hinstolpere, wo mich mein Hund („Rüde?“) hinzerrt, waren wir flugs im Grafenbusch, dann in Eisenheim, dann in einer verlassenen Gegend, die man durch einen kleinen Weg erreichen kann (zurück in Richtung Stadion). Dort erreichten wir schnell die Emscher und dann… tja… irgendwie wurde das immer urwüchsiger und strauchiger. Der Weg wurde schmaler und undefinierbarer und es hatte den Anschein, dass hier zum letzten Mal jemand im Jahr 1978 hergelaufen sein musste. Schließlich und endlich waren wir in einer Sackgasse. Eingekeilt von Autobahn, Emscher und Eisenbahnschienen. Nichts ging mehr. Vorwärts war kein Durchkommen, rückwärts wäre mir peinlich gewesen. Also doch lieber noch ein Stück vorwäts. Ein paar Minuten lang. Dann war Schluss. Jetzt ging wirklich nichts mehr. Da „rückwärts“ aus meiner Sicht immer noch hochnotpeinlich gewesen wäre, schlugen wir uns kreuz und quer „leicht rückwärts“ durch unwegsames Gelände. Verdammt, diese schön aussehenden Sträucher können ganz schön fies wehtun. Selbst jetzt im Frühjahr. Aber es half ja nix.
Endlich erreichten wir wieder so etwas wie einen imaginären Trampelpfad. Wir stellten uns also vor, dass das ganz bestimmt ein Trampelpfad sei, der uns bald wieder in die Zivilisation zurückführen würde. Pusteblume! Wir waren dann schließlich auf einer Art Lichtung. Weit entfernt konnte man die Autobahn rauschen hören. Über uns kreisten Vögel (Bussarde? Habichte? Weißkopfadler? Oder schon die wartenden Aasgeier?) Wir legten eine Pause ein.
Irgendwie war es hier auch schön.
Immerhin sind wir in einer Großstadt und gerade eben pulsierten noch Autobahn und Abwasser direkt neben uns. Und jetzt waren wir hier in einer fast urzeitlichen Umgebung. Ich musste grinsen und dann lachen: ich wusste nicht mehr, in welche Richtung wir gehen sollten. Ich hatte mich tatsächlich verlaufen. Gerade im Moment war es auch egal. Es war ja schön hier. Wir setzten uns und guckten den Vögeln zu. Das ging eine Weile so, bis ich mich dann entschloss, den Weg „zurück“ einzuschlagen. Ja, ich geb’s zu: wir sind den Weg zurückgegangen, weil ich keinen anderen Rat mehr wusste. Ok, man kann es auch „verlaufen“ nennen…
MEINE GÜTE, JA: ICH HABE MICH VERLAUFEN!!! JA UND??!
Nach einer Viertelstunde erkannte ich dann die Gegend und die Welt hatte uns wieder. Ich werde aber auf jeden Fall noch einmal dorthin zurückkehren. So wenig Menschen und so viel Ruhe wie dort gibt es wahrscheinlich nirgendwo in Oberhausen.
Und so hat jedes Ding auch zwei Seiten (Klingelingeling! Ein Euro für’s Phrasenschwein.)
Danke, nächstes Posting bitte…

7 Antworten auf „Verlaufen…“

  1. Ich hab mich mal in Kairo verfahren, aber in Oberhausen verlaufen? Mh, seit ich mein Mobiles Navi habe ist mir das nicht mehr passiert. Zuletzt, also in der Zeit ohne Navi, hab ich mal bei Karstadt den Ausgang nicht gefunden und stand plötzlich im Schaufenster. Ehrlich, kein Witz.

    Gruß Gerd (Rüde)

  2. He he he,

    sehe ich jetzt erst. Jetzt sind wir ja schon zu zweit die Deine kleinen Geschichten hier lesen, hallo Leena, willkommen im Club. Lass mich mal rechnen, pro Jahr einer dann müssten wir nächstes Jahr… mh, grübel, jepp DREI sein. Uli, es geht also weiter aufwärts.

  3. Gerd,
    als ich gelesen habe, dass du im Schaufenster standest, musste ich vor Lachen den Stuhl seitlich herunterkippen. (Also ich meine, ich bin den Stuhl heruntergekippt vor Lachen, gell 🙂
    Und man ist schneller zu Dritt als man denkt 😉 Aber dazu später mehr…

  4. Hey-ho… Nachwuchs? Was is los? Man ist schneller dabei als man denkt 😉 aber falls es Neuigkeiten gibt,Gerd, bist Du bestimmt der erste, der`s erfährt 🙂

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