Seipp 2.0?

2012 wurde wieder einmal ein Jubiläum in Oberhausen gefeiert. Diesmal war es “150 Jahre Stadt Oberhausen”. Passend zum Jubeljahr gab es dann auch neue Literatur. Hier nun ein paar Anmerkungen dazu.

Den Anfang macht der Vierbänder

Oberhausen – Eine Stadtgeschichte im Ruhrgebiet (Aschendorff Verlag)

Wer sich für die Geschichte von Oberhausen interessiert, kommt natürlich nicht um das 1964er Heimatbuch von Wilhelm Seipp herum. Es war das dritte Heimatbuch nach den Versionen von 1927 und 1937 (Seipp sprach übrigens in der 1964er Version erst vom zweiten Heimatbuch.) Inzwischen sind ein paar Jährchen vergangen und es wurde Zeit für ein aktuelles Heimatbuch. Vor ein paar Wochen ist daher der vierbändige Wälzer “Oberhausen – Eine Stadtgeschichte im Ruhrgebiet” erschienen. Die Bände führen von der Oberhausener Urzeit über Industrialisierung und Krieg bis hin zur heutigen Zeit.

Um es kurz zu machen: die ersten drei Bände sind in meinen Augen überflüssig und eher ärgerlich. Der 4. Band geht teilweise in Ordnung.

In den ersten drei Bänden erfährt man nichts wirklich Neues. Weite Strecken kommen mir sattsam bekannt vor. Wer sich bereits vorher mit der Geschichte Oberhausens beschäftigt hat, fühlt sich etwas zurück versetzt in die Seipp-Zeit von 1964. Ich habe sogar den Eindruck, dass “der Seipp” in Teilen mehr Informationen bereithält als die ersten drei Bände des vorliegenden Werks. Die Abbildungen kommen mir ebenfalls in weiten Teilen bekannt vor (was sie natürlich nicht schlechter macht).

Die Anmerkungen erscheinen mir in allen Bänden etwas chaotisch. Überflüssig finde ich in der heutigen Textverarbeitungszeit die zahlreichen Interpunktions- und Orthografiefehler.

Insgesamt ärgere ich mich über diese Anschaffung für rund 50 Euro. Der “olle Seipp” ersetzt in meinen Augen die ersten drei Bände locker. Der vierte Band krankt zwar ebenfalls an den beschriebenen Schwachpunkten, bietet aber wenigstens ein paar neue Informationen “nach 1964”. Dennoch halte ich persönlich die Anschaffung der vier Bände rückblickend als Waste of Money, Brains and Time. Sorry, das war nix.

Eine weitere Neuerscheinung nennt sich

150 Jahre Alt-Oberhausen (Klartext Verlag)

Ganz anders aufgestellt ist dieses Buch. Es bietet auf jeweils wenigen Seiten ein abgeschlossenes Thema. Man kann es schnell und flüssig durchlesen. Über kleinere Fehler sieht man bei dem Umfang und der geringen Tiefe der Themen hinweg. Etwas nervig ist die eingestreute Werbung, die den Leser alle paar Seiten anschreit. Nett dagegen ist der Einleger mit Stadtquiz für die Kleinen. Für rund 10 Euro ist das Buch daher durchaus empfehlenswert.

Mein Highlight ist aber eindeutig

Stadt der Guten Hoffnung – Bilder aus Oberhausen (Aschendorff Verlag)

Dieser Band bietet wenig Text und dafür viele Fotografien aus vergangenen und heutigen Tagen. Die Bildstrecken sind unterteilt in “Räume”, “Leben”, “Arbeit”, “Mitten”, “Grenzen”, “Nacht” und “Hoffnung”. Die fast 300 Seiten bieten überwiegend unbekannte Aufnahmen. Die Qualität der Bilder ist durchweg so gut, dass auch kleine Details erkannt werden können. Bei fast jedem Bild bekam ich sofort das berühmte “Kopfkino”. Es hat eine Weile gedauert, bis ich alle Bilder durchgeschaut hatte. Danach fing ich sofort wieder von vorne an. Was kann man besseres über einen Bildband sagen?

Für rund 20 Euro ist dieses Buch daher mein Highlight.

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