„Rüde?“

Wenn man so mit einem Hund durch die Gegend läuft und andere Leute mit Hund kommen einem entgegen, schallt es des öfteren schon aus sicherer Entfernung zu: „RÜDE?!?“. Die rufende Person hält dann schon mal die Leine extra kurz und zieht den Liebling zu sich heran, bereit, ihn im nächsten Moment mittels Leinen-Aufrollautomatik an die schützende Brust zu ziehen und schreiend davon zu rennen. (Übrigens sind die rufenden Personen meist ältere Damen mit Pudel, aber das nur nebenbei.)
Die passende Antwort von mir wäre dann eigentlich „Ja, ein Rüde. Seien Sie vorsichtig mit Ihrem Liebling, ich kann nicht einschätzen, ob mein Hund mir gehorcht und artig an Ihrer Hündin vorbeigeht ohne in Exstase auszubrechen.“
Das sage ich aber nicht. Mögliche Antworten von mir, die dann in meinem Kopf herumschwirren, wären auch die folgenden.

  • „Rüde?“ – „Nein, mein Hund ist nicht rüde, er ist lieb, aber manchmal verbeißt er sich auch in den Nacken anderer Hunde.“
  • „Rüde?“ – „Nein, das längliche Ding unter seinem Bauch ist ein Wurmfortsatz.“
  • „Rüde?“ – „Nein, das ist ein Wollschwein ohne Ambitionen auf Bastardbildung. Gehen Sie ruhig und gesittet an mir vorbei.“
  • „Rüde?“ – „Ja und ziemlich spitz auf deine Töle! Wärst du das nicht auch, wenn du nichts anhättest?“
  • „Rüde?“ – „Ja oder glauben Sie, ich laufe mit einer Hündin herum und muss dann ständig fragen ‚Rüde?'“ (Mein Lieblingsgedanke!)
  • „Rüde?“ – „Nö, Weibchen. Und ich glaube, die ist lesbisch.“
  • „Rüde?“ – „Meinen Sie mich oder den Rüden zu meiner Seite?“
  • „Rüde?“ – „Ja, gääähn, … bin ich. Ich habe nicht viel geschlafen heute Nacht.“
  • „Rüde?“ – „Hündin?“ – „Ja.“ – „Gut, Haben Sie Bock auf Welpen?“
  • „Rüde?“ – etc.
Meist sage ich aber einfach nur „Ja.“ und zerre meinen Hund weiter. Ich habe keine Lust auf Diskussionen über das Für und Wider von Begattungen zwischen zwei Hunderassen oder Geschichten von früheren Orgien die nur noch mittels Wasserschlauch beendet werden konnten. Manchmal frage ich mich, ob mein Hund wirklich das tun möchte, was die Besitzer der Hündin sofort im Kopf haben oder ob er nicht einfach mal mit der Hündin ’nen Kaffee trinken gehen möchte. Und warum scheint es mir, dass mein Hund der einzige Rüde weit und breit ist???
Am besten, ich hänge meinem Rüden (ja, er ist ein Rüde!) ein großes Schild um den Hals: „Ich bin ein Rüde.“ Als kleinen Zusatz dann noch: „Es liegt in meiner Natur, dass ich Hündinnen beschnüffle und manchmal große Lust auf Fortpflanzung habe. Aber gehen Sie nicht davon aus, dass ich immer alles begatte, was mir über den Weg läuft. Ich bin wählerisch und manchmal habe ich auch Kopfschmerzen. Für eine Schutzgebühr von 20 Euro verbringe ich aber gerne mal eine Nacht mit Ihrer Hündin.“
Habe ich das Thema jetzt endlich mal geklärt?
Ja? … Danke!

So long,

der Uli.

2 Antworten auf „„Rüde?““

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