Wo ist mein Spam?

Seit einiger Zeit frage ich mich doch wirklich, ob ich nicht mehr up-to-date bin!

Vor einigen Wochen war die Welt noch in Ordnung. Jeden Morgen das gleiche Spiel: ich rufe meine Mails ab und ordentlich in Reih und Glied marschiert die Spamparade vorbei an meinem Spamfilter in meinen Posteingang. Danach jedes Mal das gleiche Spiel: unter Zuhilfenahme meiner Brille (ja, ich bin kurzsichtig und dazu noch eitel) wird jede Mail auf Inhalt geprüft. Es reicht ja inzwischen nicht mehr, dass man sich am Betreff orientiert. Man muss die Mail wenigstens mal kurz lesen, damit man sich auch wirklich sicher ist, dass man da Spam löscht und nicht wirklich wichtige Dinge. Und danach jedes Mal das gleiche Spiel: der potenzielle Spam-Ordner muss noch auf Spammails und waren-doch-keine-Spammails durchforstet werden. Mein Spamfilter ist nämlich der Meinung, dass alle Auktions-Mails auch Spam sind. Doof, dass Ebay bei ihm auch dazu zählt, obwohl ich ihm schon öfters gesagt habe, dass er das bitte sein lassen soll. Und danach jedes Mal der gleiche Ärger: ausser ein paar Dutzend Spammails war keine einzige wichtige Mail dabei. Tja.

Aber seit ein paar Wochen ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Es kommen einfach viel weniger Spammails. Aus lauter Verzweiflung habe ich auf meiner Homepage meine E-Mailadresse im Klartext(!) angegeben. Wo sieht man so etwas heutzutage noch? Aber es hilft alles nix. Ausser ein paar langweiligen (da immer dieselben) Spammails von verschiedenen Aktien-Tipps kommt nix mehr. Und ich habe schon meinen Spamfilter deaktiviert!

Woran liegt es? Bin ich nicht mehr „in“? Bin ich schon so alt, dass die Spammer mich nicht mehr als potenzielle Zielgruppe erachten? Noch nicht einmal mehr für Pillen für „das gewisse Etwas“? Oder wenigstens ein paar Spammails für ein paar „tolle Seiten“. Ich würde mich sogar mit Werbemails für Alu-Gartenlampen zufrieden geben. Aber da kommt nix mehr.

Man wird alt und unattraktiv. Seufz…

Weniger ist mehr.

Nach meinem legendären Tempo-80-Selbstversuch auf der Autobahn habe ich ein wenig nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn man in allen Lebensbereichen nicht immer mit vollem, verschwenderischem Einsatz der zur Verfügung stehenden Kraft arbeiten würde sondern die Mittel gezielt einsetzt?

Ein wundervoller Gedanke, wie ich finde. Ein gezielter Einsatz setzt voraus, dass man über die Sache nachdenkt, pro und contra gegeneinander abwägt und dann die Kraft auf das wesentliche lenkt. (Dieser Satz hört sich übrigens auch fantastisch an, wenn man ihn auf einer Party nach dem 10. Cocktail in die Runde schmeißt.)

Brauche ich mehrere Kameras, wenn ich doch nur immer eine einzige benutze?
Brauche ich 10 Cocktails, wenn ich weiß, dass ich schon nach einem einzigen so schicker bin, dass ich nicht mehr weiß, was ich eigentlich rede?

Warum brauche ich ein Navigationsgerät im Auto, wenn die längste Reise im Jahr zur Schwiegermutter ins Sauerland führt?
Welchen Sinn macht (für mich persönlich) hochpreisige und alles könnende Software, wenn ich doch nur einen minimal winzigen Bruchteil der Funktionen davon nutze?
Würde sich meine Freundin an ihrem Geburtstag auch über einen selbstgeflückten Blumenstrauß freuen statt über ein weiteres unnützes technische Gerät?
Ist ein dreitägiger Zelt-Urlaub 30 Kilometer weit weg an einem Baggersee nicht stressfreier als 2 Wochen Mallorca?
Was nützt mir der 1 Meter Plasma Fernseher, wenn das Programm täglich das selbe langweilige ist?
Die Liste könnte man fortführen. Jeden Tag wird man vor Entscheidungen gestellt, die man möglichst rasch fällen muss. Sollte man sich dann nicht auch einfach mal gegen die „allgemein erwartete Entscheidung“ entscheiden und vielleicht nur das zweitbeste, zweitschnellste, zweitschönste auswählen? Jedes Ding hat bekanntlich mindestens zwei Seiten.
Ein Beispiel möchte ich noch anführen. In Oberhausen gibt es auf der Lothringer Straße den InterShop. Dort bietet das Friedensdorf gegen geringes Geld alle möglichen Dinge von Möbel bis hin zu Büchern an. Das erste Mal war ich vor ca. einem Jahr dort. Es war zugegebenermaßen ein komisches Gefühl, das aber schnell verflog. Die Dinge, die dort ausgestellt sind unterscheiden sich von fabrikneuen Dingen in wichtigen Punkten:
– jedes Ding hat eine Geschichte. Von der Puppe bis hin zum Schulbuch von 1959, jedes Teil könnte aus seiner Geschichte erzählen. Das finde ich gigantisch.
– es ist kostengünstiger als das Äquivalent in neu. Aber es erfüllt mit großer Wahrscheinlichkeit den gleichen Zweck. Oder ändert sich der Zweck eines Stuhls über die Jahre?
– man tut nebenbei Gutes. Der Erlös ist für’s Friedensdorf. Man tut Gutes und braucht sich nicht einmal dafür anstrengen.
Und außerdem: es landet nicht auf dem Müll, sondern wird wiederverwertet. Damit habe ich auch meine umweltpolitische Haltung bestätigt.
Ich werde dort mit Sicherheit kein Navigationsgerät für ein Auto oder einen Plasmafernseher bekommen.
Aber mal ehrlich, … braucht man das???

Alles neu macht der Mai(???)

Einige Besucher werden es gemerkt haben: meine Webseite www.ulrich-huhn.de ist zur Zeit etwas offline. Seit fast einem Jahr hat es dort kein Update mehr gegeben. Sie überlegt noch, ob sie jemals wieder auf Sendung gehen möchte. (Zur Zeit liegen anscheinend viele Oberhausener Webseiten auf Eis oder wurden bereits vom Netz genommen.)

Inzwischen warten irrsinnig viele Fotos auf Veröffentlichung. Die Liste der verblichenen Geschäftsnamen ist erheblich länger geworden. Die Anekdotensammlung und Buchtipps wurden beinahe verdoppelt. Und noch ein paar andere neue Ideen stehen in den Startlöchern. Es gibt nur ein Problem: ich habe keine Zeit. Oder sollte ich ehrlich sagen „keine Lust“?!? Eine Homepage zu unterhalten ist zeitaufwändig. Und wenn dann niemand dort ist, der positive Rückmeldungen über das Ergebnis gibt, wird es mit der Zeit auch langweilig. Ich bekomme zwar immer wieder Zuschriften mit Kritik und Lob und Anregungen, aber wahrscheinlich habe ich immer zu viel erhofft.

Obwohl ich nicht mehr in Oberhausen wohne, komme ich regelmäßig dort vorbei und betrachte die Stadt nun aus einem objektiveren Winkel. Vieles ist passiert (Sterkrader Tor), vieles auch nicht (nO-Vision) und vieles ist geblieben (die besten Pommes gibt es immer noch am Kaufhof 🙂 )

Diese Objektivität erlaubt es mir, neu anzufangen. Mit Oberhausen, mit meiner Homepage und allem anderen Kram.

Mal schauen, was noch kommt…

Tempo 80 auf der Autobahn – ein Selbstversuch.

Machen wir uns nichts vor: die 13 Jahre Zeit bis zum endgültigen Point Of No Return in Sachen Klimawandel ist wohl eher theoretischer Natur. Seit Jahren gibt es keinen normalen Winter oder Sommer mehr, nur noch Mischmasch- oder Extremwetter.
Da ich davon überzeugt bin, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen herrschen wird, um dem CO2-Ausstoß Einhalt zu bieten, habe ich einen gefährlichen Selbstversuch unternommen: mit Tempo 80 über die Autobahn…
Ich fahre öfters die Strecke von Oberhausen nach Ibbenbüren und zurück (A30 – A31 – A2 – A516). Das sind ziemlich exakt 150 Kilometer (eine Fahrt). Die Strecke schaffe ich in durchschnittlich etwas weniger als 1 Stunde und 20 Minuten. Der Verbrauch liegt bei min. 6,5 Litern pro 100 Kilometer. Aber was passiert, wenn man konstant Tempo 80 fährt? Bitte sehr:
15:00 Uhr. Ich starte in Oberhausen. Das kurze Stück A516 bietet einen kleinen Vorgeschmack auf das, was kommt. Es sind zwar nur ca. 2 Kilometer bis zur Auffahrt auf die A2. Aber ich habe das Gefühl, dass mich auf der Strecke mindestens 700 Autos überholt haben. Die A2 bietet kein besseres Bild. Es ist unmöglich, sich mit Tempo 80 auf eine Autobahn einzufädeln. Die Idee, einfach auf dem Standstreifen weiterzufahren (da störe ich wenigstens niemanden), verwerfe ich relativ schnell wieder.
15:15 Uhr. Ich bin auf der A31. Jetzt sind es ca. 120 Kilometer einfach geradeaus. Eigentlich simpel. Oder? Mein Tacho sagt mir, dass ich viel zu schnell fahre. Langsam lasse ich mich auf exakt Tempo 80 zurückfallen. Meine Güte, gleich steh‘ ich! Ich kann rechts und links ganz deutlich die Landschaft erkennen. Kein endlos grau-grünes Mischmasch sondern Wiesen, Felder, Bäume, Häuser, Leitplanken und Lärmschutzwände.
15:40 Uhr. Es ist schwierig, Tempo 80 zu halten. Immer wieder ertappe ich mich, dass ich doch noch schnell jemanden überholen möchte und wieder bei Tempo 120 bin. Und wenn man dann wieder 80 fährt, kommt es einem vor, als ob man alle anderen Autofahrer blockiert. Eine längere Baustelle bei Borken zwingt alle Autofahrer zu Tempo 60. Wenigstens theoretisch. In der Praxis ziehen weiterhin viele Autos links an mir vorbei.
16:00 Uhr. Ein LKW nähert sich wieder einmal bedrohlich. Ich habe gedacht, dass LKW am Sonntag nicht fahren dürfen. Nur mit Sondergenehmigung. Kann ein Autolaster für den Sonntag eine Ausnahmegenehmigung bekommen? Ich werde später darüber nachdenken, denn inzwischen hängt mir der LKW so nah an der Stoßstange, dass ich nicht einmal mehr seine Scheinwerfer sehen kann. Er findet eine freie Lücke und schwenkt an mir vorbei. Ich sehe mich schon als Engel davonschweben. So dicht war ich einem LKW noch nie. Als das Fahrerhaus an mir vorbeizieht, vermeide ich jeglichen Blickkontakt mit dem Fahrer. Ich würde ihn sowieso ncht sehen. Aber ich höre ihn fluchen. Bestimmt. Der Angstschweiß auf meiner Stirn verfliegt so langsam, als ich auf die A30 biege.
16:20 Uhr. Nur noch wenige Kilometer. Ich habe die Geschwindigkeit inzwischen gut im Griff. Mein Durchschnittsverbrauch liegt bei ca. 5,0 Litern auf 100 Kilometer. Endlich mal ein Erfolg. Sonst verbrauche ich mindestens 6,5 Liter (und wäre schon am Ziel angekommen). Anscheinend wird man mit der Zeit auch cooler den anderen Autofahrern gegenüber. Ich lächle freundlich zurück, wenn mich wieder mal ein entnervter Raser überholt und mir giftige Blicke in mein Fahrerhäuschen wirft. „Mecker‘ du ruhig, Junge. Irgendwann wirst auch du Rad fahren müssen!“, denke ich bei mir.
16:45 Uhr. Ziel erreicht. Nach 150 Kilometern, fast 2 Stunden Fahrtzeit und einem Durchschnittsverbrauch von 5 Litern ziehe ich ein positives Fazit. Irgendwie ist man entspannter, auch wenn man ca. 100 mal bedrängelt wurde. Der geringere Verbrauch freut den Geldbeutel und die Umwelt gleichermaßen. Man hat mehr von der Landschaft gesehen und konnte zwischendurch mal über Dinge des Lebens nachdenken. Man wird cooler. Und wahrscheinlich ist es auch sicherer, wenn man 80 statt 150 Sachen fährt. Ich werde in Zukunft öfters mal langsamer fahren. Allein der finanzielle Anreiz ist bei den derzeitigen Spritpreisen für mich ein Argument. Negatives kann ich nicht entdecken, außer dass man naturgemäß etwas länger unterwegs ist. Dazu passend der Spruch der Feuerwehr: „Fahren Sie ruhig schnell. Wir schneiden Sie ‚raus!“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen.