Oberhausener Wort des Jahres 2014

Kaum ist das Jahr ein paar Tage alt, schon sehe ich vor meinem geistigen Auge das Oberhausener Wort rampeldes Jahres 2014. Es lautet “Pförtnerampel”.

Wot? Pförtnerampel???

Wenn ich dieses (in den letzten Tagen soooo oft strapazierte) Wort höre, denke ich an folgendes Szenario:

Berlin, in den 20er Jahren des verflossenen Jahrhunderts. Mitten auf dem Potsdamer Platz steht eine gusseiserne Kabine mit einem Lämpchen oben druff. Unten sitzt in einem mit Schafs-Flokati ausgeschlagenen Lehnsessel ein älterer, streng dreinblickender Herr mit Schnäuzer und Pickelhaube. Mit Argusaugen überwacht er den fließenden dahingaloppierenden Droschkenverkehr. Je nach Gutdünken macht er sein Lämpchen oben an oder aus und macht innerliche Luftsprünge wenn er die verwirrten Blicke der vorbeischaukelnden Mobil-Fahrer sieht. Im Grunde ist er überflüssig – er wird aber schon seit Jahren von der Stadt bezahlt. Na dann…

Oder ist eine Pförtnerampel etwa das, was an meinem Magenausgang lustig hin- und herblinkt und den Speisen den richtigen Weg zeigt?

Wer sich mal kurz hinsetzt und auch nur ansatzweise Begabung im Umgang mit einer Suchmaschine aufweist, kommt schnell dahinter, dass der wahre Name der Pförtnerampel eher langweilig ist: “Zuflussregelungsanlage”. Also das, was uns schon an den Autobahnauffahrten öfters mal abbremst, damit wir nicht sofort (dafür aber 500 Meter weiter) in den Stau fahren.

Beim Suchen findet man dann auch sofort ein paar Kommentare, Meinungen und sogar eine Facebook-Gruppe gegen Pförtnerampeln.

Aktuell geht es um die Errichtung einer Pförtnerampel auf der (bzw. zur) Mülheimer Straße. Dadurch soll die Feinstaubbelastung gesenkt werden. (Nein, ich rege mich jetzt nicht noch einmal über gescheiterte Umweltzonen, Feinstaub-Kernpanik, Ozonplakette und G-Kat, Super E10, Rußpartikelfilter usw. usw. usw. auf…)

Ich bin kein Wissenschaftler. Ich kann nicht zweifelsfrei bewerten, ob durch eine Pförtnerampel der (Straßen-) Verkehr besser wird oder die Staubbelastung sinkt oder in Afrika mehr Löwenbabys geboren werden.

Rein intuitiv glaube ich aber, dass spätestens an einem verkaufsoffenen Sonntag der Großraum Oberhausen verkehrstechnisch stirbt. Aber auch in der restlichen Zeit wird es nicht besser sein. Schon jetzt pfeift die Mülheimer zu Stoßzeiten aus allen Löchern. Die Ampeln sind ganz furchtbar geschaltet, alle paar Meter steht man still (schon mal versucht, eine grüne Welle auf der Mülheimer mit legalen Mitteln zu schaffen???)

Eine (oder mehrere) Pförtnerampel(n), eine Verengung der Mülheimer auf 2 Spuren (meinten Sie “Fahrstreifen”?), idealerweise noch eine Umwandlung in eine 30er-Zone mit Holper-Pollern und zum guten Schluss noch Mautgebühr oder “a Pickerl”, Wegezoll und Transitvisum. Das wäre doch prima! Dann hätten wir wenigstens mal wieder etwas zu lachen…

“Pförtnerampel”, bisher mein Oberhausener Un- Wort des Jahres 2014.

Ach ja, kleiner Tipp: Augen ganz weit aufmachen bei der nächsten Kommunalwahl… Zwinkerndes Smiley

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