Oberhausen–das Ende einer Stadt?

In den letzten Tagen haben viele Medien mehr oder weniger schlecht über die Stadt Oberhausen berichtet. Als notorischer Nörgler muss ich natürlich auch meinen Senf dazugeben.

Aufhänger der negativen Berichte war sicherlich die Meldung, dass Oberhausen die höchstverschuldete Stadt Deutschlands (pro Kopf) ist. Dazu kamen dann noch einige Aussagen zum Solidarpaket, einige Bilder von Leerständen in der City und grauen Hinterhöfen sowie einer Bettensteuer. In der zusammenhanglosen Mischung ergibt das ein relatives dunkles Bild von Oberhausen.

Und nun? Ich denke, dass Oberhausen nicht wirklich sehr viel anders als andere Ruhrgebietsstädte ist. Grau und Grün, Leerstand und florierender Einzelhandel, Überverwaltung und hoffnungslos ausgelastete Verwaltung gibt es überall. So gesehen mache ich mir keinen großen Kopf über diese negativen Berichte. Darüber wird Gras wachsen.

Dennoch: Da gibt es die andere Seite. Und das sind die Menschen. Ich glaube nicht, dass es noch viele alte Oberhausener gibt, die gern in “ihrer” Stadt wohnen.
[Depressiver Polemik-Modus EIN]
Es hat sich zu viel verschlechtert. Es ist zu viel abhanden gekommen. Es gibt zu viel unsinniges neues. Die Verwaltung nimmt man nicht mehr ernst. Man sieht zu und lächelt müde oder ärgert sich im stillen. Es macht keinen Sinn, die Initiative zu ergreifen, da man all dem nur noch gefühlt ohnmächtig gegenübersteht. Oberhausen plätschert in den meisten Bereichen (die den Durchschnittsbürger betreffen) vor sich her. Man ist froh, wenn wieder mal ein Tag geschafft ist.
[Depressiver Polemik-Modus AUS]

Den Ort Oberhausen kann man inzwischen getrost auf das Centro, den Scheibengasbehälter und den Kaisergarten reduzieren. Wesentlich mehr Höhepunkte gibt es in meinen Augen nicht. Burg Vondern? Das Theater? Waldgebiete? Schloss Oberhausen? Anthony-Hütte? Sterkrader Wochenmarkt? Vonderort? Oder gar die Innenstädte? Dies alles sind inzwischen relativ unspannende Dinge. Soll man Sterkrade und Osterfeld (und die vielen kleineren Stadtteile) überhaupt noch zu Oberhausen zählen? Würde ein Holtener sagen, dass er ein Oberhausener ist? Oder wäre er, wenn überhaupt, vielleicht sogar lieber ein Duisburger? Die Idee, dass Oberhausen einer anderen Stadt eingemeindet wird, war gar nicht so schlecht. Es würde zumindest nicht schlimmer kommen. Außer, dass Oberhausen nur noch ein Stadtteil einer anderen Stadt ist. So what? Dann müssen wir halt alle unsere Visitenkarten ändern.

Noch einmal: Ich behaupte nicht, dass Oberhausen besser oder schlechter als andere Ruhrgebietsstädte ist. Ich glaube, in Gelsenkirchen oder Duisburg oder Herne oder wo auch immer würde ich mich über viele Dinge genau so aufregen wie in Oberhausen. Oberhausen ist komplett pleite. Das sind andere Städte auch. Oberhausen hat ein paar Standortvorteile (Centro, Gewerbegebiete, Autobahn). Das haben andere Städte auch. Ich habe einfach nur für mich persönlich feststellen müssen, dass ich nicht mehr gerne in Oberhausen lebe. Ich verstehe viele Entscheidungen der Verwaltung nicht mehr. Das Oberhausen, in dem ich groß geworden bin, gibt es für mich nicht mehr. Viele Menschen bestätigen mir diese (meine) Meinung. Es kann also nicht nur an meiner senilen und altmodischen Einstellung liegen. Oder erwarte ich einfach zu viel???

Wo sind die mutigen Verantwortlichen, die sich hinstellen und sagen “Hey Leute, wir geben es ungern zu, aber wir haben in den letzten Jahren ziemlich viel verdaddelt. Bitte helft uns aus dieser Misere herauszukommen. Schickt uns Tipps, wo und wie wir sparen können und wie wir nun generell verfahren sollen. Wir werden jede Einsendung persönlich prüfen und wir hoffen, dass wir uns gemeinsam aus dem Sumpf ziehen können.” Aktionen wir zum Beispiel „Super-Sauber-Oberhausen“ sind ja schön und gut. Allerdings bieten sie keinen wirklichen Anreiz. Ich würde mich regelmäßig daran beteiligen, wenn mir dafür (beispielsweise) ein Jahr die Hundesteuer erlassen würde (abgesehen davon, dass ich  überhaupt keinen Hund habe). Der Stadt geht dadurch die Hundesteuer flöten, spart aber an anderer Stelle an der Stadtreinigung. Was bringt wohl langfristig mehr?

Und wann werden eigentlich ernsthaft die ersten Bürgerparteien gegründet? Oder sind Frustlevel und Resignation bereits zu hoch? Gibt es keine Idealisten mehr? Wer es kann, verlässt Oberhausen wie das sinkende Schiff? Oder bin ich wirklich senil und altmodisch und gehe nicht mit der Zeit? Frage dich erst einmal, was deine Stadt für dich tut und danach frage dich, was du für deine Stadt tun kannst.

Wie geht es weiter? Um es kurz zu fassen: Ich denke, dass das Centro langfristig die neue Stadtmitte von Oberhausen werden wird. Die Marktstraße wird höchstens noch eine Flaniermeile. Sterkrade und Osterfeld kochen ihre eigene Suppe und werden sich auch in den nächsten 30-50 Jahren nicht als „Stadt“-Teil von Oberhausen sehen. Die Verwaltung wird weiter abgebaut. Ich glaube, Oberhausen wird Vorreiter der digitalen Politik werden. Alles macht man nur noch online. Auch Privatisierung wird ein großes Thema sein.

Und verwaltet wird Oberhausen anteilig von den Nachbarstädten Smiley Brave New Oberhausen.

2 Antworten auf „Oberhausen–das Ende einer Stadt?“

  1. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen. Ich finde Oberhausen sehr schön.

    Gruß Anna

  2. …. Oberhausen nicht wirklich sehr viel anders als andere Ruhrgebietsstädte ist?? Ist das Drecksnest, aus dem man nicht rauskommt, ans Wasser oder zum Wald, ohne OB halb und noch ne Stadt halb zu queren. Kann weg.

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