Nicht ganz so super

Vorhin, anner Ebertstraße:

nixsuper

Tusch! Endlich mal keine Seniorenwohnungen, sondern ein Supermarkt…

Ich verstehe einfach nicht, warum es sich noch lohnen kann, neue Lebensmitttelläden/Discounter/Supermärkte zu errichten. Mehr als einkaufen kann man dort nicht. Und so unviele Supermärkte haben wir ja nicht in Oberhausen.

Früher war das einfach: Man hatte seinen kleinen Edeka nebenan und konnte dort täglich die wichtigsten Grundnahrungsmittel kaufen. Wenn die Bananen ausverkauft waren, dann waren die Bananen ausverkauft. Weihnachtsgebäck gab es frühestens Anfang Dezember. Brauchte man größere Mengen von irgend etwas, so bestellte man das bei den Inhabern im Voraus. Wir Kinder bekamen an der Kasse einen Lutscher geschenkt. Oder eine leere Zigarrenkiste als Spielzeug. Man konnte den Laden stressfrei in weniger als 1 Minute durchlaufen, so klein war er. Am Samstag war um spätestens 14 Uhr Schluss mit Einkaufen. Die nächste Chance bekam man erst wieder am Montag darauf. Notfalls musste man zur Bude gehen und hoffen, dass es dort die benötigte Ware gab. In der Zeit von Samstag 14 Uhr bis zum nächsten Montagmorgen sind meines Wissens niemals Menschen elend verhungert, weil sie nicht einkaufen konnten.

Man kaufte nicht auf “Vorrat”, sondern genau so viel wie man brauchte. In der Folge gab es wenig verdorbene Lebensmittel, die weggeschmissen werden mussten. Mussten Lebensmittel weggeschmissen werden, tat man es mit einem ein wenig blutendem Herzen. Lebensmittel waren auch erst verdorben, wenn sie augenscheinlich schimmelten, richtig böse rochen oder schmeckten. Ich glaube, ein magisches Mindesthaltbarkeitsdatum gab es damals noch nicht.

Falls man dann doch einmal das Bedürfnis verspürte, größere Mengen und exotischere Sachen einzukaufen, plante man einen Besuch im Super-Magazin in Duisburg (heute real im Mercator-Center, vorher Massa). Das kam aber praktisch nur wenige Male im Jahr vor.

(Falls sich noch jemand an das Super-Magazin erinnert: Die knallgelben Parkplatzleuchten fand ich damals total gigantisch. Auch an die Fischbude auf dem Parkplatz kann ich mich gut erinnern. Dort flogen in den besten Zeiten mindestens 94 % aller Möwen aus  dem Ruhrgebiet umher. Hier noch eine  damalige Zeitungsanzeige:

supermagazin

Aber das nur am Rande :))

Heute ist das alles nicht mehr so einfach: Einkaufen ist für mich eine Tortur geworden, die ich gerne an meine Frau abtrete 🙂 Die Auswahl an Lebensmitteln ist gigantisch. Aber auch extrem überflüssig. Man kauft nicht mehr ein einziges Teil, sondern direkt 3 Stück im Vorteilspack. Irgendwie ist auch alles günstiger geworden (glaube ich nicht wirklich). Die Verlockung ist groß, dass man mehr einkauft, als man in der Realität verbrauchen kann. Ich sehe keinen besonderen Lebensvorteil darin, dass man das ganze Jahr über selbst exotischste Früchte rund um die Uhr frisch kaufen kann. Manche Einkaufsläden sind so groß, dass man nach dem Einkaufen eine Wadenmassage bräuchte.

Die kleinen Geschäfte sind inzwischen auf der Strecke geblieben. Sie sind nicht gescheitert, weil sie schlecht waren. Sie mussten aufgeben, weil wir alle lieber ein paar Cent günstiger einkaufen und eine maximal mögliche Auswahl an ausgefallenen Lebensmitteln brauchen.

Die entscheidende Frage, die ich mir schon seit ein paar Jahren beim Stresskaufen stelle: ist das wirklich notwendig? Würden nicht für die meisten Menschen die kleinen Geschäfte völlig ausreichend sein? Oder anders gefragt: Warum können die vielen großen Supermärkte überleben und sogar expandieren? Ist das wirklich nur unsere unstillbare Geizgeilheit? Und wie lange geht das noch gut?

Eine Antwort auf „Nicht ganz so super“

  1. Hallo Ulrich Huhn,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich habe auf der Suche nach dem Supermagazin, das ich in den 70er Jahren als Kind besucht hatte (mein Vater hat daraus einen Familienausflug gemacht) , diesen Artikel gelesen.

    Um es ehrlich zu sagen, bevorzuge ich die heutigen Märkte den Tante Emma Läden. Weil es einfach mehr zu günstigeren Preisen gibt. Allerdings erfordert es auch bestimmte Voraussetzungen, wie z. B. Auto. Und es stimmt zugegebenermassen schon, dass wir nicht wirklich alles brauchen, was angeboten wird.

    Dankd und Gruß
    Frank Bödeker

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