Damals, diese unendlich geilen Ketchupbrötchen

Es gibt ein paar Dinge aus meiner Kindheit, die sich in die heutige Zeit ketchup_brotherüber gerettet haben. Wenn ich eine Liste dieser Dinge machen müsste, dann stünden “Ketchupbrötchen” ziemlich weit oben.

Nach Schulschluss sind wir regelmäßig zur Bude auf dem Bahnhofsvorplatz gerannt. Die Bude gibt es heute noch – allerdings renoviert, vergrößert und mit anderem Betreiber.

An dieser Bude gab es für wenige Groschen (40 Pfennig?) ein ausgehöhltes Brötchen mit einer Ketchupfüllung. Das war’s. Mehr brauchte man damals nicht zum Sattwerden. Ich weiß nicht, ob der Verkäufer noch eine geheime Zutat verwendet hat, denn es blieb meistens nicht bei einem einzigen Brötchen. Die Dinger haben uns süchtig gemacht. Wir waren Ketchupbrötchen-Junkies.

Es war eine hohe Kunst die Dinger zu essen, ohne sich komplett einzusauen. Die Brötchensorte spielte dabei eine große Rolle. Zu knusprig durfte das Brötchen nicht sein, sonst quoll der Ketchupsaft beim ersten Biss aus allen Ritzen. Zu papp war auch doof, dann schmeckte es wie Gummi. Das letzte Stück Brötchen (mit dem meisten Ketchup) wurde komplett in den Mund geschoben. Dann kaufte man sich ein neues Ketchupbrötchen, bis man kurz vor dem Vomitus stand oder alternativ das Geld zu Ende war. Die Besten von uns haben locker 5 und mehr Brötchen am Stück geschafft. Wir waren schon damals keine Gourmets sondern Vielfraße.

Als Alternative zu den Ketchupbrötchen gab es noch den Hotdog-Stand am Kaufhof, an der Ecke Paul-Reusch-Straße/Helmholtzstraße. Die sogenannten “Hotdogs” waren allerdings heiß aufgepustete Industriebrötchen mit einer Frikandel als “Fleisch”füllung und einem kräftigen Schuss Ketchup als Geschmacksneutralisator. Aber sie schmeckten ebenfalls so geil, dass man mehrere davon essen konnte. Den Hotdog-Stand gibt es aber schon seit 20 Jahren nicht mehr.

Auf dem Weg zur Schule kauften wir uns beim Bäcker Ferger (in der Elsässer Straße) Brötchen mit eingequetschtem Schokokuss (der hieß früher anders, aber aus Gründen der politischen Korrektheit…) Diese Schokokussbrötchen waren die morgendlichen Antipoden zum Ketchupbrötchen und ebenfalls sehr sehr geil. Sie haben uns den Start in den Tag versüßt. Aber leider gibt es auch die Bäckerei Ferger nicht mehr.

Heutzutage holt mich die Kindheit öfters wieder ein: ich esse lieber ein (paar) Ketchupbrötchen als von einer reichgedeckten Tafel mit Speisen, deren Namen ich erst googlen muss.

Und wenn ich mal irgendwann sterbe, legt mir bitte, bitte ein Ketchupbrötchen unter die Zunge – Charon wird sich ein Bein abfreuen 🙂

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