Telefon, draußen und 23 Pfennig

Wenig früher, als ein Telefon unter anderem noch aus einer Scheibe bestand, die man keinesfalls mit den Fingern rückwärts beschleunigen durfte und eine Gebühreneinheit eine komplizierte Rechnung aus Entfernung, Ortsnetz, Uhrzeit und Dauer darstellte, waren Telefonzellen in meiner Jugend oftmals die einzige Möglichkeit, mit der Liebsten tiefsinnige Gespräche zu führen. Vorausgesetzt diese hatte ebenfalls ein Telefon. Meine Lieblingstelefonzelle war auf der Wörthstraße, Ecke Marktstraße. Dort standen mehrere. Heute nur noch eine:

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Die damaligen Zellen waren natürlich Post-Gelb und hatten teilweise diese komischen, immer verhakten Schwenktüren. Wenn sich diese Türen schlossen, war man in einer anderen Welt. Meistens roch es nach kalten Kippen, Bier und anderem Zeugs. Die ausgelegten Telefonbücher waren immer zerfleddert und niemals vollständig. Wenn mal keine Kaugummiattacke stattgefunden hatte und die Münzen in den Schlitz (oder in diese komische Rutsche mit Sichtfenster) gepasst haben, fielen sie mindestens zehnmal durch. Dann hat man sie am Metall des Telefons gerieben. Angeblich wurden sie dann entweder durch die Hitze dicker oder durch das Abrubbeln dünner. Irgendwann passte es dann.

Die damaligen Telefonzellen waren so schalldicht wie ein Ruheraum. Türen zu und man konnte seinen Herzschlag hören. Außerdem boten sie Schutz vor Regen und lästigen Nachbarsjungen, die einen hin und wieder verprügeln wollten. Viele, enorm viele Groschen habe ich vertelefoniert. Wenn ein Groschen durchgerutscht ist, musste man schnell einen nachschmeißen, sonst war das Gespräch weg. Dann war es gut, wenn man einige bereits gerubbelte Groschen auf Vorrat hatte.

War man einigermaßen körperlich flexibel, konnte man es sich stundenlang gemütlich machen, soweit einen die Groschen trugen. Oder bis der nächste Anrufer ungeduldig vor der Tür stand und tatsächlich hin und wieder anklopfte. Als die Telefonkarte eingeführt wurde, war man extrem cool, wenn man ein paar davon auf Vorrat hatte, möglichst mit verschiedenen Motiven.

karte_teflonInzwischen gibt es nur noch wenige Telefonhäuschen, einige völlig bananige Telefonsäulen und 7 Milliarden Smartphones (wovon die wenigstens zum Telefonieren gebraucht werden).

Manchmal mache ich mir den Spaß und stelle mich in eine Telefonzelle. Wenn sich die Tür dann langsam schließt ist es fast so wie damals. Übrigens kann man in einer Telefonzelle wahnsinnig gut und ungestört, auch mit dem Smartphone, telefonieren.