BMX!!!

Letztens fuhr ich an einem riesigen Fahrradgeschäft vorbei.

Irgendwie machte es für einen winzigen Moment Klick! in meinem Hirn, ich suchte mir einen Parkplatz und ging ins Geschäft.

Irgend etwas zog mich in die hintere Ecke. Dort angekommen wusste ich, was ich schon die ganzen Jahre vorher gesucht habe: BMX-Räder!

Dort standen sie nun, seltsam vertraut, und es war als würden sie mir zurufen: „Nimm mich und qüal‘ mich durch’s Gelände!“

So langsam kamen dann meine Erinnerungen wieder hoch. Es mag schon gut und gerne 20 Jahre her sein. Damals waren diese Dinger in Mode. Jeder coole Junge hatte eins und die wirklich, wirklich, WIRKLICH coolen Mädels hatten auch eins. BMX-Räder waren damals so cool wie ein stylishes MP4-Pod-Organizer-Mobilephone heute. Mit dem Unterschied, dass BMX-Räder nicht aus der Mode kamen und niemals kaputt gingen (Ausnahmen: siehe unten).

Es gab die Racer und Freestyler, wobei letztere natürlich die Könige der Ober-Coolsten waren. Freestyler konnten einen 360 Grad Salto von einem Hügel machen UND dabei zwischenduch mit der Hand an den Vorderreifen packen. Das alles natürlich mit ohne Helm. Helme waren doof. Ausserdem mussten die Felgen aus Plastik sein und das Vorderrad musste doppelt so breit sein wie das Hinterrad und Rücktritt war nur etwas für kleine Kinder. Schutzblech-Fahrer waren lächerlich, ebenso wie die armen Radler deren schönes BMX durch sinnlose Aufbauten wie eine Klingel oder eine Beleuchtungsanlage verunstaltet waren. Straßenverkehrstauglich waren die Dinger in ihrer Naturform natürlich nicht. Oder wenigstens waren sie nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Nun ja…

BMX war einfach nur geil! Man konnte tun und lassen, was man wollte. Man konnte Neues ausprobieren, sich fürchterlich auf die Fresse legen, aufstehen, den Dreck abklopfen, die Gabel wieder richtig biegen und weiterfahren, als wäre nichts gewesen. Abends war man hundemüde und fiel mit dem Gedanken ins Bett, dass man morgen unbedingt mal am Treppengeländer des Rathauses grinden müsse…

Leider musste ich irgendwann meine BMX-Karriere aufgeben, weil meine Knie den ständigen Stress nicht mitmachten. Ausserdem shredderte ich unter widrigen Umständen öfters mal das ein oder andere Teil (sehr oft Schläuche, öfters mal die Gabel und ganz selten den kompletten Rahmen) und das ging schon ziemlich ins Geld.

Und nun stand ich dort. Und ich schaute mir diese BMX-Räder an. Der Sabber lief.

Ich dachte an die Schmerzen in meinen Knien zurück.

Ich dachte an den Fahrtwind, wenn man mit 200 Sachen einen Berg runterstrampelt.

Ich dachte an die vielen teuren Teile, die ich im meinem BMX-Leben geschrottet habe.

Ich dachte an das Gefühl, wenn man am Scheitelpunkt eines Sprunges ist und die Schwerelosigkeit für einen winzigen Augenblick gewinnt.

Ich dachte an die Momente zurück, wenn der schärfste Gegner einen Sprung unter anerkennenden Blicken der Kumpels vorlegt und ich den gleichen Sprung unter verstohlenem Gekicher der Kumpels versemmelt habe.

Ich dachte an die Kumpels zurück, die irgendwie doch alle eine große Familie waren, auch wenn der schärfste Gegner dabei war.

Eigentlich sollte man in meinem Alter keine groben Dummheiten mehr machen. Ich verließ daher das Geschäft, ohne mir ein BMX-Rad zu kaufen.

Zu Hause angekommen ersteigerte ich eins bei eBay… 🙂

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