Über das Nichts

Kaum ist man ein paar Wochen in Hongkong, passiert in Oberhausen… mal wieder überhaupt gar nix spannendes!

Außer natürlich die Diskussion um die 105. Anscheinend gibt es zur Zeit (und das auch schon seit Wochen) nur ein einziges Thema: Die Fortführung der Linie 105. Kaum wird man morgens wach, läuft ein 105-Werbespot im Radio. Kaum startet man das Internetz, quillt 105 aus allen Kanälen. Totholz-Nachrichten: 105 auf allen Fasern. Briefkasten: 105 intramtamtam Hochglanz. Innenstadt: Ein Ja-Plakat zur 105. Gesprächspartner in der Realwelt: “Sag mal, was hältst du eigentlich von der 105?” Et cetera und gähn!

Ich habe schon vor Monaten mein Tram-Tamtam beigesteuert. Generell ist es mir Wurst, ob der Lückenschluss (welche Lücke eigentlich?) getätigt wird oder nicht. Vermutlich werde ich diese Straßenbahn nicht ein einziges Mal in meinem Leben nutzen. (Das bedeutet natürlich nicht, dass der Bau dieser Strecke im Allgemeinen schlecht ist.) Ob der “Lückenschluss” wirklich bedeutsam für die Metropole Ruhr wird, glaube ich nicht. Eher wird er bedeutsam für die Neue Mitte. Und für den Essener Weihnachtsmarkt. Wenn überhaupt. Ob die angepeilte Fahrgastzahl jemals erreicht wird, wage ich auch zu bezweifeln. Und die geplante Streckenführung zerschneidet in luftiger Höhe das einstige Filetstück von Oberhausen. Filetstück oder dann doch Burger Patty?

Was mich an der ganzen Sache allerdings extrem nervt, ist die oben bereits angedeutete, ständige Berieselung zum Thema 105. Überall schweben harfenspielende Rauschgoldengel und flüstern mit sanfter Rosa-Watte-Stimme in mein Ohr: “Sag Ja zur 105!” Ich fühle mich irgendwie an den Film “Sie leben!” von John Carpenter erinnert. Warum existiert dieses extreme Interesse am Bau der 105? Was steckt dahinter?

Thanks God, wir leben in einer Demokratie. Jeder darf beim Ratsbürgerentscheid sein Kreuzchen dort machen, wo er möchte. Und obwohl mich die 105 wohl auch in der Zukunft nicht wirklich interessieren wird, gehe ich dennoch mein Kreuzchen machen. Demokratie eben.

Und leider hat das ständige, monotone und nervige Pro-105-Geblubber bei mir zu einer Art persönlichem Streisand-Effekt geführt. Nicht immer ist Werbung proaktiv. Im Fall der 105 rutscht bei mir inzwischen jegliche 105-Jubelei in die Abteilung “nervig”, wird mit dem Aufkleber “bewirkt genau das Gegenteil” verschlagwortet und verschwindet schließlich mit Schwung in meiner zerebralen Rundablage.

Glück Auf.

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