Alte Klamotten

Weil es gerade wieder aktuell wird: Altkleidersammlung – soll man mitmachen oder soll man nicht?

Früher, als es nur ganz wenige Altkleidercontainer gab, war für mich die Sache recht einfach. Es war toll, dass man seine alten oder auch nicht ganz so alten Sachen in die Mulde geworfen hat und sich dann gefreut hat, wenn man ein gutes Werk getan hat: Vielleicht läuft bald irgendwo auf der Erde ein nicht ganz so begüterter Mensch mit meiner Jacke und meinen Schuhen herum und ist stolz wie Oskar?!!

Dann kamen die Altkleider-Grabräuber. Nachts und dann auch ungeniert tagsüber entrümpelten sie alles, was zu erhaschen war. Manch einer ließ sein Kind in den Container klettern, damit es die Altkleider auf einfachem Wege wieder hinauswerfen konnte. Das machte mich irgendwann stutzig. Brauchten die Leute wirklich so viele alte Klamotten, dass sie diese aus den Containern stehlen mussten? Konnten sie nicht einfach zu einer mildtätigen Organisation gehen und dort um die (selben) Altkleider bitten? Für diesen Zweck waren die Container doch unter anderem gedacht? Oder was zum Teufel machten die Leute mit den gestohlenen Altkleidern?

Und dann waren da noch die Altkleidersammlungen, die alle paar Wochen stattfanden. Zunächst nur mit Handzetteln beworben, danach wurden extra Körbe und Eimer gratis dazugestellt. Irgendwann wurden auch explizit Schuhe gesammelt. Und dann entdeckte ich auf den Handzetteln den kleingedruckten Hinweis “Kommerzielle Sammlung”. Gleichzeitig erhöhte sich die Anzahl der Altkleider-Container sprunghaft. An jeder Ecke stand so ein Ding.

Langsam dämmerte es mir. Altkleider zu sammeln war inzwischen keine caritative Freiwilligenarbeit mehr. Ein paar Stunden Suche im Internetz öffneten meine Altkleider-Augen. Das Geschäft mit den Altkleidern ist mittlerweile ein knallhartes. Jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben.

Inzwischen habe ich für mich selbst beschlossen, wo ich meine alten Klamotten lasse: auf jeden Fall nicht in irgendeiner Altkleidersammlung. Dann lieber die Klamotten noch einmal waschen, schön bügeln und fein säuberlich in der nächsten Kleiderkammer abgeben.

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