Damals, in der Zuckerwarenfabrik

In der Styrumer Straße ist mir schon öfters ein Haus mit diesen Zeichen aufgefallen:

zuckerwarenfabrik

Ein „F“ und ein „W“ mit einer Art Äskulapstab.

Glücklicherweise steht auch direkt das Herstellungsdatum dabei:

erbaut

Und was war das einmal? Die Lösung ist einfach. In der Styrumer Straße gab es die “Westdeutsche Zuckerwarenfabrik”. Eine zeitgenössische Reklamemarke zeigt Details:

werbung

Ein Blick in das Branchenbuch von damals enthüllt dann weitere Geheimnisse:

reklame

Das oben genannte Haus gehörte einem Franz Wens. Und ihm gehörte die Westdeutsche Zuckerwarenfabrik. Ich vermute mal, dass das Haus sein Wohnhaus war und ein paar Meter weiter die “Fabrik” stand.

Warum da allerdings ein Äskulapstab an der Fassade ist, kann ich nicht wirklich erklären. Ist das am oberen Ende des Stabs vielleicht eine Art Zuckerrübe / Blüte?

Knott sei Dank

Letztens bin ich ja auf das Super-Magazin in Düsburch Duisburg zu sprechen gekommen.

Da fiel mir etwas später auch noch der “Teppichriese Knott” ein. Er befand sich “im Gewerbegebiet Neumühl, direkt an der A42”, so oder so ähnlich hörte sich die Radiowerbung an. Zumindest bis vor ein paar Jahren. Ich glaube, es war so um 2007, als “Knott” aus Altersgründen geschlossen wurde. Seitdem befindet sich dort “Hammer”, ein ähnliches Einrichtungshaus.

Jedenfalls ist mir ein paar Stunden später diese Reklame aufgefallen:

knott

Die hängt bis heute immer noch anner Brücke vonner Ruhrort Straße. (Ehrlich, ich habe das Schild wohl seit Jahren nicht wahrgenommen oder unterbewusst ignoriert, obwohl ich da mindestens 87923-mal im Jahr vorbeifahre.)

Vor ein paar Jahren habe ich mal die Teppichhalle von hinten fotografiert, da gab’s den “Teppichriesen Knott” schon nicht mehr, der Name war aber noch da:

knott_2

Frohsternachtpfingst

Da mich zur Zeit alle Leute/Medien/Schilder/Werbungen mit “Frohe Weihnachten und schöne Feiertage und guten Rutsch und alles Gute und viel Erfolg und so!” verabschieden anschreien, möchte ich natürlich im Strom mit schwimmen.

Dann mal prophylaktisch “Fröhliche Ostern und gute Pfingsten, schöne Sommerferien, gruseliges Halloween, einen tollen Start ins Berufsleben, eine glückliche Ehe, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, entspannte Rentenzeit, herzlichen Glückwunsch zu allem. Und so!”

frostern

Damals, unter unseren Füßen

Aber auch heute noch teilweise unter unseren Füßen und Rädern:

Ein reservierter Parkplatz der “Big Box”. Das war mal ein Getränkemarkt, dort wo heute “Action” ist. [Da gab es auch mal ein Deko-Haus, dessen Namen mir gerade nicht mehr einfällt und den Tapetenmarkt “gota” (hinterher anner Stöckmannstraße, jetzt weg).]

Nicht ganz so super

Vorhin, anner Ebertstraße:

nixsuper

Tusch! Endlich mal keine Seniorenwohnungen, sondern ein Supermarkt…

Ich verstehe einfach nicht, warum es sich noch lohnen kann, neue Lebensmitttelläden/Discounter/Supermärkte zu errichten. Mehr als einkaufen kann man dort nicht. Und so unviele Supermärkte haben wir ja nicht in Oberhausen.

Früher war das einfach: Man hatte seinen kleinen Edeka nebenan und konnte dort täglich die wichtigsten Grundnahrungsmittel kaufen. Wenn die Bananen ausverkauft waren, dann waren die Bananen ausverkauft. Weihnachtsgebäck gab es frühestens Anfang Dezember. Brauchte man größere Mengen von irgend etwas, so bestellte man das bei den Inhabern im Voraus. Wir Kinder bekamen an der Kasse einen Lutscher geschenkt. Oder eine leere Zigarrenkiste als Spielzeug. Man konnte den Laden stressfrei in weniger als 1 Minute durchlaufen, so klein war er. Am Samstag war um spätestens 14 Uhr Schluss mit Einkaufen. Die nächste Chance bekam man erst wieder am Montag darauf. Notfalls musste man zur Bude gehen und hoffen, dass es dort die benötigte Ware gab. In der Zeit von Samstag 14 Uhr bis zum nächsten Montagmorgen sind meines Wissens niemals Menschen elend verhungert, weil sie nicht einkaufen konnten.

Man kaufte nicht auf “Vorrat”, sondern genau so viel wie man brauchte. In der Folge gab es wenig verdorbene Lebensmittel, die weggeschmissen werden mussten. Mussten Lebensmittel weggeschmissen werden, tat man es mit einem ein wenig blutendem Herzen. Lebensmittel waren auch erst verdorben, wenn sie augenscheinlich schimmelten, richtig böse rochen oder schmeckten. Ich glaube, ein magisches Mindesthaltbarkeitsdatum gab es damals noch nicht.

Falls man dann doch einmal das Bedürfnis verspürte, größere Mengen und exotischere Sachen einzukaufen, plante man einen Besuch im Super-Magazin in Duisburg (heute real im Mercator-Center, vorher Massa). Das kam aber praktisch nur wenige Male im Jahr vor.

(Falls sich noch jemand an das Super-Magazin erinnert: Die knallgelben Parkplatzleuchten fand ich damals total gigantisch. Auch an die Fischbude auf dem Parkplatz kann ich mich gut erinnern. Dort flogen in den besten Zeiten mindestens 94 % aller Möwen aus  dem Ruhrgebiet umher. Hier noch eine  damalige Zeitungsanzeige:

supermagazin

Aber das nur am Rande :))

Heute ist das alles nicht mehr so einfach: Einkaufen ist für mich eine Tortur geworden, die ich gerne an meine Frau abtrete 🙂 Die Auswahl an Lebensmitteln ist gigantisch. Aber auch extrem überflüssig. Man kauft nicht mehr ein einziges Teil, sondern direkt 3 Stück im Vorteilspack. Irgendwie ist auch alles günstiger geworden (glaube ich nicht wirklich). Die Verlockung ist groß, dass man mehr einkauft, als man in der Realität verbrauchen kann. Ich sehe keinen besonderen Lebensvorteil darin, dass man das ganze Jahr über selbst exotischste Früchte rund um die Uhr frisch kaufen kann. Manche Einkaufsläden sind so groß, dass man nach dem Einkaufen eine Wadenmassage bräuchte.

Die kleinen Geschäfte sind inzwischen auf der Strecke geblieben. Sie sind nicht gescheitert, weil sie schlecht waren. Sie mussten aufgeben, weil wir alle lieber ein paar Cent günstiger einkaufen und eine maximal mögliche Auswahl an ausgefallenen Lebensmitteln brauchen.

Die entscheidende Frage, die ich mir schon seit ein paar Jahren beim Stresskaufen stelle: ist das wirklich notwendig? Würden nicht für die meisten Menschen die kleinen Geschäfte völlig ausreichend sein? Oder anders gefragt: Warum können die vielen großen Supermärkte überleben und sogar expandieren? Ist das wirklich nur unsere unstillbare Geizgeilheit? Und wie lange geht das noch gut?