Die Otten sind da

Ein Kurzbesuch bei den Otten im Kaisergarten bestätigte: Otten sind lustige Tiere und sehr verspielt und die Kinder mögen sie und der Kaisergarten muss auch in Zukunft ohne Wenn und Aber finanziell unterstützt werden. Und ja: Da verzichte ich lieber aufs Theater.

otten

4 Bürgermeister und 3 Autos, geht das?

Letztens hat mich eine Nachricht wirklich sehr mitgenommen: Die 4 Bürgermeister der Stadt Oberhausen müssen sich drei Autos nebst 3 Fahrern teilen. Schlimmer noch: Jetzt möchte man freiwillig auf ein Auto und einen Fahrer verzichten. Ja, geht das denn überhaupt? Ich find’s aber wirklich richtig super, dass man jetzt Kosten sparen möchte, indem man auf ein komplettes Dienstfahrzeug verzichtet.

Ok, und jetzt mal ernsthaft… Wie ist denn diese Kombination:

1 Stadt
1 Bürgermeister
1 Dienstfahrzeug zum Selbstfahren (das wäre sogar steuerlich absetzbar, gell?)

Entspricht das nicht eher der maximalen Verständnisschwelle eines Durchschnittsbürgers? Denkt doch mal darüber nach. Danke.

PS: Ich lass mich jetzt nicht weiter darüber aus, dass wir 4(!) Bürgermeister haben, von denen mir 75 % höchstens namentlich bekannt sind. OK, 75 % sind „nur“ ehrenamtlich, aber immerhin gibt’s ja selbst dafür einen Dienstwagen.

Gastbeitrag “Kleines Fachgeschäft”

Ein Gastbeitrag von Thorsten aus Oberhausen.


Bei uns in der Straße gibt es ein kleines Fachgeschäft, das Mitte des Jahres seine Pforten schließen wird. Die Besitzer gehen in den Ruhestand. Aber kein Nachfolger und die Besitzer sehen noch nicht aus wie Rentner.
Ich denke also mal, es liegt eher an der weniger werdenden Kundschaft.
Ähnlich, wie es in der Marktstraße bereits geschehen ist, stehen hier bereits einige Läden leer.

Ich denke mal zurück an meine Kindheit in Sterkrade. Da gab es in der Stadtmitte viele Fachgeschäfte.
Zoo Genter, Radio Baldow, Gardinenläden, Feinkost und Süßigkeiten-Läden und einen Elektronik Shop, in dem man Glühlämpchen und Widerstände kaufen konnte. Den (gar nicht so kleinen) Eisenwarenladen. Ein Musikgeschäft mit Schallplatten und Instrumenten.
Manchmal habe ich mich damals in den Bus gesetzt und bin In die Marktstraße gefahren.
Im Kaufhof oder den anderen Läden zu stöbern.
Ok, es gab schon Aldi, Plus und auch Otto und Quelle. Aber man ging in die kleinen Läden in der Stadt, wenn man mal auf die Schnelle was brauchte.
Beim Zooladen hab ich Vogelfutter gekauft, heute fährt man zu Zajac oder Fressnapf. Oder bringt es von Real und Kaufland mit.
Schuhe gab’s beim Schuhhändler und nicht von Zalando.
Kleidung kaufe man bei Lantermann oder im anderen kleinen Laden. Oder halt C&A.
Radios, Plattenspieler und Platten gab’s bei Baldow. Media Markt gab’s noch nicht, der kam erst später.
Schrauben und Werkzeug gab’s nicht bei Obi sondern beim Eisenwarenladen.
Die kleinen Läden verschwinden immer mehr. Ausgefeilte Logistik der großen Ketten ersetzt das „Ham wa nich da, aber können wir schnell besorgen“
„Die Hose passt nicht, also machen wir sie passend“ hieß es damals. Heute wächst man rein. Mit 40. Ok.

Als es Baldow nicht mehr gab habe ich mir eine Stereoanlage in einem kleinen Laden gekauft, dessen Besitzer die einzelnen Komponenten aus dem Regal nahm, zusammenstöpselte,
mich auf ein Sofa bat und sagte: „Setz dich hin und hör zu“. Heute geht man in ein Hi-Fi Studio bei Media Markt. Knopf drücken und hin und her schalten. Bei Fernsehern ähnlich.
Was mir aber bei den Flächenmärkten immer auffällt: Das Bild in den Fernsehern dort ist immer irgendwie „unschön“. Mit Absicht? Damit man ein bestimmtes Modell kauft? Oder Stand der Technik? Ich bleibe bei meinem Röhrenfernseher.

Die kleinen Läden werden immer weniger. Dafür kommen die großen Ketten immer mehr. Früher gab’s jede Menge Autozubehör-Läden.
Die kleinen geben auf, die großen bleiben. Irgendwann gehen auch die und es gibt nur noch ATU und Pitstop.

In ein paar Jahren gibt es keine kleinen Geschäfte mehr, wo man mit dem Inhaber einen Plausch halten kann.
Der einem auch zur Not genau das besorgen kann, was man braucht, auch wenn er es nicht im Sortiment hat.

Die neuen Läden kommen mit einem Riesensortiment, von Zentralen vorgegeben, Der Inhaber ist eine Aktiengesellschaft. Mit der kann man nicht reden.
Sonderwünsche sind „nicht gelistet und können daher auch nicht bestellt werden.”
Dafür isses billiger, oder? Neulich habe ich Bremsbeläge gekauft.
Es war ein Samstag und es war vor einer Woche in der ich keine Zeit gehabt hätte. Also bleibt nur ein Kettenhändler.
Ich habe anschließend eine Quittung von meinem Stammhändler rausgekramt, so ein kleiner um die Ecke.
Bei dem ich seit Jahren kaufe, gut beraten werde und bei dem sich ein „Du“ entwickelt hat.
Die Eigenmarke der Kette kostete ein paar Cent mehr. Dafür fehlten auch die Belagfühler und Schrauben, die beim Markenprodukt meines Stammdealers enthalten sind.
Irgendwie habe ich bei den kleinen Geschäften nie mehr bezahlt, als bei den Großen.
Denn ich musste nicht weit fahren, sie lagen um die Ecke. Die Qualität ist meist besser und die Preise, wenn sie denn wirklich mal höher waren als im Großgeschäft, haben etwas enthalten, das man mit Geld nicht aufrechnen kann. Das persönliche Gespräch mit einem Inhaber, der sich tatsächlich an das letzte gekaufte Teil erinnert.

Irgendwann machen die letzten dieser Läden zu. Einkaufsstraßen, wie es die Marktstraße oder die Bahnhofstraße mal waren, wird es nicht mehr geben.
Die kleinen freien Geschäfte, Frisöre, Optiker und Co werden durch 1€-Shops ersetzt, Bücher kauft man nur noch in den Ketten von Hugendubel und Thalia, Und für den Rest gibt’s Fielmann, Frisör Klier, ATU, Media Markt, Fressnapf und so weiter.
Die Großen gehen in die Einkaufszentren und die Kleineren haben dann auch keine Lust, eine ganze Einkaufsstraße zu bespaßen.
Die Feinkostläden meiner Kindheit gibt’s nicht mehr, dafür gibt es Feinkost Aldi auf der grünen Wiese.

Finden wir uns damit ab: Die kleinen Läden sterben aus, entweder übernehmen die großen Ketten ihren Platz oder das Internet.
Und ich erinnere mich mit Wehmut, an die Zeiten, als ich in den Eisenwarenladen ging und der Verkäufer fragte, „Na, brauchst du wieder mal eine Schraube?“

Nein. Eine Schraube brauch ich nicht. Einen passenden Schraubenschlüssel. Denn irgendwie haben wir alle eine Schraube locker. Dass wir so etwas zulassen.
Wir regen uns auf, dass Einkaufsstraßen veröden, obwohl wir sowieso nicht mehr hingehen.
RIP Kleines Fachgeschäft.


Ein Gastbeitrag von Thorsten aus Oberhausen.

Bye bye Kaufhof!

Heute war ich zum letzten Mal im Kaufhof an in der Marktstraße. Er schließt zwar erst morgen, aber ich war heute das letzte Mal in meinem Leben dort.

kaufhof

Es gab noch einige letzte und traurige Reste an Waren, hoffnungslos durcheinander, kreuz und quer. Vieles ist schon nicht mehr da, wo es bis vor kurzem noch hingehörte. Man kann aus der ersten Etage nach draußen gucken. (Sind diese Fenster eigentlich jemals von innen geputzt worden?) Die Rolltreppen rollern als sei nichts gewesen, der Aufzug zieht auf und nieder wie eh und je, die Verkäufer (m/w) verkaufen wie wild und so viel wie schon lange nicht mehr.

Und doch sind es die letzten Stunden im Leben des City-Kaufhofs. Praktisch gesehen “Leichenfledderei”. Denn tot war der Kaufhof schon länger, das war schon vor einigen Jahren absehbar. Es war letztlich nur eine Frage der Zeit.

Was bleibt? Für mich bleiben 35 Jahre Erinnerungen an den Kaufhof:

Die Hotdog-Bude am Eingang an der Helmholtzstraße (viel Frikandel mit noch mehr Ketchup).
Die Spielzeugabteilung, die anscheinend jedes Jahr in einer anderen Etage war (früher war sie natürlich vieeeeel größer, für mich als Kind). Ich habe dort Stunden verbracht, mit Murmeln gemurmelt, Keyboard spielen gelernt und meinen ersten Wurli gekauft (Wurm mit unsichtbarem Nylonfaden, der sich nach 20 Sekunden hoffnungslos verknotet hatte).
Die Ladendetektive, die schon fast stadtbekannt waren.
Der wackelige Boden der ersten Etage. Er hat manchmal geschwankt wie bei einem Erdbeben.
Der Schuhmacher, der zuletzt in der unteren Etage und dann plötzlich ganz weg war.
Die Rolltreppen, die man anhalten konnte, wenn man mit Schmackes auf das untere Podest sprang.
Der Zwischenraum zwischen der ersten und der zweiten Eingangstür, wo früher ein lauter Wind wütete, im Sommer eiskalt, im Winter schön warm.
Der Hausmeister, der selbige Türen abends abschloss, nicht ohne vorher die letzten Kunden persönlich zu verabschieden.
Die Metallmülleimer mit dem Loch in der Mitte, auf denen man herrlich trommeln konnte.
Die verschiedenen Schwachköpfe, die im Laufe der Jahre diverse Dinge vom Parkhausdach warfen (unter anderem einen Autoreifen).
Das Restaurant, wo ich in den Jahren wohl mehr als einen Hektoliter Kaffee getrunken habe.
Die riesigen Spielzeugfiguren im Schaufenster zur Weihnachtszeit.
Und so vieles mehr…

Und was bleibt noch? Nichts. Die Marktstraße ist ab dem 16. Juni, abends, seit dem 16. Juni noch etwas mehr tot als vorher. Der Einkaufs-Mittelpunkt der Stadt ist jetzt total flöten gegangen. Egal was in das Kaufhofgebäude einziehen wird, es wird das gleiche Schicksal erleiden wie die Geschäfte drum herum. Und ein Shop-In-Shop-System hat schon bei der Markthalle nicht geklappt. Sehe ich das alles zu düster? Nun, wir werden sehen…

Einen kleinen Beitrag dazu gibt es auch in den News auf meiner Homepage.