Neulich beim Autogucken…

Da unser Stapel von „Ich-kaufe-Ihre-Schrottkarre-zu-Höchstpreisen“-Karten inzwischen mächtig gewachsen ist, liebäugeln wir mit einem neuen fahrbaren Untersatz. Natürlich soll das Teil relativ umweltkompatibel und sparsam sein. Ausserdem verzichten wir auf einen Neuwagen und tun uns etwas Gebrauchtes an. Gesagt, getan. Nach einer etwas längeren Onlinerecherche hatten wir unser Traumauto (gibt es so etwas?) gefunden. Fix eine E-Mail geschrieben zwecks Probefahrt und dann…
… dann erst einmal nix. Keine Antwort. Also nach einer Woche mal vorsichtig telefonisch nachfragen. Der Verkäufer schlägt einen Termin zur Probefahrt vor, ich akzeptiere.
Der Termin ist da: Wir sind am vereinbarten Ort zur vereinbarten Zeit und dann…
…. dann erst mal nix. Unser Wunschgefährt war mitnichten vorbereitet, rote Kennzeichen waren noch irgendwo unterwegs. Eine halbe Stunde vergeht. Eine halbe Stunde, die der Verkäufer mit einem freundlich kompetenten Kundenbindungs-Smalltalk hätte überbrücken können. Aber da war nix. Wir lümmelten vor dem Wagen herum und standen uns die Füße in den Bauch. Kein Kaffee, kein Stuhl, nicht mal ein Taschentuch für unsere Tränen wurde uns angeboten. Endlich trafen die roten Kennzeichen ein und wurden in den nächsten 10 Minuten „irgendwie“ am Gefährt angebracht. 10 Minuten für zwei Kennzeichen, die man eigentlich aufklicken kann. Hm…
Nach einer kurzen Unterweisung (Blinker ist da, wo er immer ist. Rückwärtsgang ist unten rechts etc.) fuhren wir los. Es piepte. Der Tank lief auf Unterreserve. Sollen wir nun tatsächlich erst tanken fahren? Nix! Wer nicht wagt, verliert. Also ein paar Kilometer herumgegurkt, immer drei Augen auf die Tankanzeige gerichtet. Nach dieser Fahrt kehrten wir dickhalsig zurück und wollten eigentlich mit den Verhandlungen beginnen.
(Übrigens war das Gefährt ein Unfallwagen. Damit war keine Schramme oder ein abgefallener und wieder angeschraubter Kotflügerl gemeint, sondern ein reparierter Totalschaden an der Front…)
Die Verhandlungen stellten sich so dar:
– „Für ein Gefährt mit Totalschaden, mit diesem Alter und den übrigen kleinen Mängeln ist uns der Preis X wesentlich zu hoch“.
– „Ich gehe Y Euro hinunter“. (Y bewegte sich im Bereich 5 % des Gesamtpreises.)
– „Wir sind stark interessiert an diesem Fahrzeug, nehmen es aber auf keinen Fall zu diesem Preis.“
– „OK, dann nicht.“
Und das war auch schon der gesamte Ablauf unserer Feilscherei. Wir guckten uns nur noch an. Das konnte doch nicht alles gewesen sein? Mein Hals schwoll. Ich war dermaßen baff ob der mangelhaften Beratung und des nicht vorhandenen Verkaufsinteresses, dass ich nur noch ein „OK, dann schönen Tag“ wünschte.
Wir zogen enttäuscht von dannen. Tief in uns schlummert die Hoffnung, dass es auch interessierte Gebrauchtwagenverkäufer gibt.